Startseite

Überlegungen zu Gottesdiensten ab dem 10. Mai 2020 im Bielefelder Osten

Was können wir verantworten? Was ist richtig?

Endlich: nach Wochen ohne Eucharistiefeier sind öffentliche Gottesdienste nicht mehr untersagt. Hoffnung keimt auf. Trotzdem bleibt aller Anlaß zur Sorge, denn: 

Das Coronavirus ist nicht besiegt. Es kann sich jederzeit wieder verbreiten. Alle müssen sich weiter auf vielfältige Weise schützen. Kranke und Ältere sind besonders gefährdet. Sie und die Kinder leiden am meisten unter dem Abstandhalten-müssen. Überall spürt man die Sorge: Hoffentlich steckt mich niemand an! Die Masken machen uns das Atmen schwerer und lassen uns spüren: Unser Alltag wird noch für lange Zeit nicht wieder normal sein - so, wie wir es kannten.

Im Bielefelder Osten feiern wir noch keine Sonntagsgottesdienste zu den gewohnten Zeiten. Wir öffnen die Kirchentüren nicht wie gewohnt, weil wir sie nicht weit öffnen können: In St. Hedwig und Heilig Kreuz fänden unter den geltenden Vorsichtsmaßnahmen nur 42 Personen einen ungefährdeten Platz, in St. Meinolf und St. Bonifatius je 54, in Liebfrauen und Maria Königin je 60 Personen. Wollen wir als Notgemeinschaften wiederbeginnen? Womöglich Messen im Schichtbetrieb besuchen, damit alle unterkommen? Im Seelsorgeteam sind wir einig: Es ist uns zu früh.  

Wir werden werktags wieder Eucharistie feiern. Auch dann werden wir seltsame Umstände erleben: Liedersingen ist wegen der umhersprühenden Aerosole seit heute „erzbischöflich-amtlich“ verboten; wir werden aufschreiben, wer kommt, damit wir wissen, wer vielleicht infiziert wurde; wir werden nicht alle auf den Stammplätzen sitzen können; wir werden undeutlich in die Maske sprechen und dabei wird die Brille beschlagen; wir werden die Kommunion auf eine Weise empfangen, die uns fremd ist.

Es gibt aber auch neue, schöne Entdeckungen: Eine tröstliche Begegnung mit Gott ist nicht auf die Messe beschränkt, auch wenn diese besonders kostbar ist. Die Worte der Hl. Schrift und darin das Lebensbeispiel Jesu, persönliche und traditionelle Gebete (auch aus dem Gotteslob) und die gelebte gegenseitige Liebe, in der wir einander Zuwendung und Interesse erweisen, sind Quellen und Orte der Begegnung mit Gott.

Liebe Christen, wir wissen, dass wir manche Hoffnungen enttäuschen und mit den eng gefassten Angeboten Kritik auf uns ziehen. Anderswo wird anders entschieden und gehandelt. Unsere eigene Verantwortung und Gewissensentscheidung können wir aber nicht auf andere übertragen. Daher bitten wir Sie um Verständnis. Wir sind überzeugt: Gott ist uns nicht ferner, weil wir vorsichtig sind: „Ich suchte den HERRN und er gab mir Antwort, er hat mich all meinen Ängsten entrissen. … Da rief ein Armer und der HERR erhörte ihn und half ihm aus all seinen Nöten. (Ps 34,5.7 )

Wir wünschen Ihnen allen Gutes!

Für das Seelsorgeteam Bielefeld – Ost                              
Pfarrer Bernhard Brackhane