Sonntags-Gedanken und aktuelle Impulse in Zeiten der Corona-Pandemie

Sonntagsimpuls zum „Weißen Sonntag“ – Sonntag der Barmherzigkeit, 19.04.2020

Ein religiöser Text - nicht aus der Bibel - der so richtig unter die Haut geht? Es kommt bei mir nicht oft vor, aber in diesen Tagen ist es passiert. Hier ist er:

„Kommt alle in die Freude unseres Herrn. Ihr Ersten und ihr Zweiten, genießt den Lohn. Ihr Reichen und ihr Armen, tanzt miteinander. Ihr Eifrigen  und ihr Nachlässigen, ehrt den Tag. Ob ihr gefastet habt oder nicht, freut euch heute. Der Tisch ist voll, esst alle davon. Das Kalb reicht aus, keiner braucht zu hungern. Sitzt gemeinsam am Tisch des Glaubens. Nährt euch alle von der Fülle der Tugend.“

„Goldmund“ hat man den Autor genannt wegen seiner einprägsamen Weise zu predigen. Man spürt es auch in der Übersetzung aus dem Griechischen: Einprägsame kurze Sätze, ein Feuerwerk der Hoffnung! In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts predigte in Konstantinopel Erzbischof Johannes - Johannes Chrysostomus: Goldmund. 

Liebe Schwestern und Brüder, dieser 19. April ist der „Weiße Sonntag“. Den Sonntag aber der weißen Kommunionkleider und der festlichen Anzüge, den wird es - wie so Vieles - in diesem Jahr nicht geben. Das hat in den Familien vieles durcheinandergebracht, Vorfreude enttäuscht, manche ältere Verwandtschaft vielleicht sehr traurig, weil die Gesundheit schon wackelig ist, und wer weiß, ob es später noch klappt … Und was für eine Reihe von Dominosteinen, die, einer nach dem anderen, einander zum umkippen lassen: Einnahmeverluste der Bekleidungsgeschäfte, Frisiersalons, Gaststätten, Erlebnis- und Tierparks… alles, wie auch viel mehr im öffentlichen Leben.

„Halt!“ – könnte Johannes Chrysostomus uns zurufen, wenn er unser Zeitgenosse wäre. Um dann fortzufahren: Kommt alle in die Freude unseres Herrn! Ihr Betroffenen und ihr Gleichmütigen, ermutigt einander. Ihr Kinder und Großeltern nutzt die Zeit, die Gott euch gemeinsam schenkt. Ihr Eltern, Freunde und Paten, feiert ohne Festkleidung das Leben. Freut euch, daß Beziehung zwischen euch ist: hoffentlich schön und lebendig. Wenn ihr euch bis jetzt nichts mehr zu sagen hattet, baut eine neue Brücke zueinander. Seid füreinander Sakrament: wirksames Gotteszeichen der Beziehung.

So geht der Originaltext weiter:

„Keiner soll seine Armut beweinen, denn das Reich ist für alle sichtbar geworden. Keiner soll seine Schuld beklagen, denn die Vergebung ist aus dem Grab aufgegangen. Keiner soll seinen Tod fürchten, denn der Tod des Heilands hat uns befreit. Er hat den vernichtet, der ihn gefangen hielt …“

Liebe Schwestern und Brüder, der hl. Papst Johannes Paul II. hat diesem Sonntag nach Ostern zusätzlich den Titel „Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit“ gegeben. Viele  Christen verbinden damit das Christus-Bild und seine Verehrung, das auf Schwester Faustinas geistliche Visionen in den dreißiger Jahren zurückgeht. Österliches Licht geht von Christus aus und farbige Strahlen, die für das hingegebene Blut der Eucharistie und für das Wasser der Taufe stehen. Das geht zurück auf das Zeugnis der Heiligen Schrift, wie aus dem Herzen des gekreuzigten Christus Blut und Wasser fließen: Zuneigung, Liebe, Barmherzigkeit.

Barmherzigkeit ist das große Stichwort von Papst Franziskus - ein zentrales Leitwort seines Dienstes. Er, der Papst, sagt: “Wer bin ich, daß ich … (bestimmte Menschen) verurteile?“ Er bezeichnet sich selbst immer wieder als Sünder; er verkündigt den gekreuzigten Jesus, der sein Leben hingibt: Für die Sünder. Damit alle Anteil erhalten an der Gottesherrschaft. Wir nennen sie ewiges Leben. Wo die Barmherzigkeit Jesu hingelangt, wo wir die Barmherzigkeit Jesu hintragen und leben, d. h. Großzügigkeit um der Liebe Christi willen, da geschieht, was Johannes Chrysostomus so bildhaft verkündigt (s.o.):

„Ihr Eifrigen und ihr Nachlässigen, ehrt den Tag. Ob ihr gefastet habt oder nicht, freut euch heute. … Keiner soll seine Armut beweinen, denn das Reich (Gottes) ist für alle sichtbar geworden. Keiner soll seine Schuld beklagen, denn die Vergebung ist aus dem Grab aufgegangen. …“

Lassen wir in unseren inneren Ohren und im Herzen nachklingen, was uns der antike und doch so lebensnahe Lehrer der Kirche verkündet:

Wo ist Tod, dein Triumph? Wo ist, Hades*, dein Sieg? Christus ist auferstanden, du bist besiegt. Christus ist auferstanden, die Dämonen sind gestürzt. Christus ist auferstanden, die Engel jubeln. Christus ist auferstanden, das Leben lebt. Christus ist auferstanden, kein Toter bleibt unten. Denn Christus ist von den Toten auferweckt worden, der Erste der Entschlafenen. Ihm gehört die Herrlichkeit und die Macht für ewige Zeiten. Amen.“

Einen frohen, gesegneten Sonntag!                                                                                     
 
Ihr Pfr. B. Brackhane

 

*Der Hades ist in der griechischen Mythologie die finstere, freudlose Unterwelt.