Sonntags-Gedanken und aktuelle Impulse in Zeiten der Corona-Pandemie

Impuls für die Erstkommunionfamilien

Ein religiöser Text - nicht aus der Bibel - der so richtig unter die Haut geht? Es kommt bei mir nicht oft vor, aber in diesen Tagen ist es passiert. Hier ist er: 

„Kommt alle in die Freude unseres Herrn. Ihr Ersten und ihr Zweiten, genießt den Lohn. Ihr Reichen und ihr Armen, tanzt miteinander. Ihr Eifrigen und ihr Nachlässigen, ehrt den Tag. Ob ihr gefastet habt oder nicht, freut euch heute. Der Tisch ist voll, esst alle davon. Das Kalb reicht aus, keiner braucht zu hungern. Sitzt gemeinsam am Tisch des Glaubens. Nährt euch alle von der Fülle der Tugend.“ 

„Der mit dem goldenen Mund“ hat man den Autor genannt, weil er so stark reden konnte und so predigen, dass es hängen blieb. Einprägsame kurze Sätze, ein Feuer-werk der Hoffnung! Gut: Nur Kalb essen (nichts Fleischloses) und das Reden von Tugend - das klingt nicht zeitgemäß. Der Text ist tatsächlich alt: aus dem 4. Jahrhundert. So predigte vor 1600 Jahren (auf griechisch) in Konstantinopel (heute Istanbul)  Erzbischof Johannes, Johannes Chrysostomus - und das bedeutet: Goldener Mund.

Liebe Schwestern und Brüder, dieser 19. April ist der „Weiße Sonntag“. Sie haben ihn über ein Jahr vorher geplant, die Kinder haben ihn sehnsüchtig erwartet. Und nun wird es die weißen Kommunionkleider, die schicken Anzüge und flotten Frisuren nicht geben - wie in diesen Wochen so Vieles nicht. Das hat in den Familien noch mehr durcheinandergebracht, Vorfreude enttäuscht, die ältere Verwandtschaft vielleicht traurig gemacht, weil die Gesundheit schon wackelig ist, und wer weiß, ob es später noch klappt … Und dann: wie eine Reihe von Dominosteinen, die, einer nach dem anderen, umkippen: Einnahmeverluste der Bekleidungsgeschäfte, Frisiersalons, Gaststätten, Erlebnis- und Tierparks… alles, wie auch noch viel mehr im öffentlichen und privaten Leben. Alles wegen Corona. 

„Halt!“ - könnte Johannes Chrysostomus uns zurufen, wenn er unser Zeitgenosse wäre. Und dann weiter: Freut euch trotzdem! Ihr lebt in Sicherheit! Schon 1000 und 2000 km weiter südlich, wo ihr sonst Urlaub macht, ist vieles viel unsicherer als hier. Ihr habt doch Smartphone und PC: Ihr Ärgerlichen und ihr Ausgeglichenen, sprecht miteinander und ermutigt einander! Ihr Kinder und Großeltern nutzt die Zeit, die Gott euch schenkt: Ruft euch an, erzählt euch, was euch gerade beschäftigt! Am Sonntag werden doch alle bei sich zuhause etwas Leckeres essen; dann tut ihr das doch trotzdem irgendwie zusammen, oder? Ihr Eltern, Freunde und Paten: Ihr braucht den engen Reißverschluss nicht zuzuziehen und den obersten Kragenknopf nicht zuzuknöpfen: feiert den Tag trotzdem - ohne Festkleidung! Feiert das Leben, dass Ihr eure Kinder habt! Freut euch, dass Beziehung zwischen euch ist: hoffentlich schön und lebendig. Und wenn es sonst irgendwie schwierig ist und kompliziert zwischen euch, dann baut heute eine neue Brücke zueinander. Seid füreinander ein wirksames Gotteszeichen der Beziehung. (So was kann man auch „Sakrament“ nennen!)

So geht es im Originaltext weiter:

„Keiner soll seine Armut beweinen, denn das Reich ist für alle sichtbar geworden. Keiner soll seine Schuld beklagen, denn die Vergebung ist aus dem Grab aufgegangen. Keiner soll seinen Tod fürchten, denn der Tod des Heilands hat uns befreit. Er hat den vernichtet, der ihn gefangen hielt …“ 

Liebe Schwestern und Brüder, der hl. Papst Johannes Paul II. hat diesem Sonntag zusätzlich den Titel „Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit“ gegeben. Viele Christen verbinden damit das Christus-Bild von Schwester Faustina. Sie hat Jesus vor neunzig Jahren in einer inneren Schau so gesehen: Österliches Licht geht von ihm aus und farbige Strahlen, die für das hingegebene Blut der Eucharistie und für das Wasser der Taufe stehen. Das geht zurück auf die Heilige Schrift, wie aus dem Herzen des Gekreuzigten Blut und Wasser fließen. Gemeint ist Zuneigung, Liebe, Barmherzigkeit. 

Barmherzigkeit ist das große Stichwort von Papst Franziskus - ein zentrales Leitwort. Er, der Papst, sagt: “Wer bin ich, daß ich … (bestimmte Menschen) verurteile?“ Er be-zeichnet sich selbst immer wieder als Sünder; er verkündigt den gekreuzigten Jesus, der sein Leben hingibt: Für die Sünder. Damit alle Anteil erhalten an der Vergebung Gottes, an seiner Gottesherrschaft. Wir nennen sie ewiges Leben. Wo die Barmherzigkeit Jesu hinkommt durch uns, wo wir sie anderen schenken, d. h. Großzügigkeit um der Liebe Christi willen, da geschieht, was Johannes Chrysostomus sagt (s.o.): 

„Ihr Eifrigen und ihr Nachlässigen, ehrt den Tag. Ob ihr gefastet habt oder nicht, freut euch heute. … Keiner soll seine Armut beweinen, denn das Reich (Gottes) ist für alle sichtbar geworden. Keiner soll seine Schuld beklagen, denn die Vergebung ist aus dem Grab aufgegangen. …“

Dann holt der antike Bischof noch einmal energisch aus, als ob er den Tod als Skelett mit Sense vor sich hätte, fordert ihn spöttisch heraus, um sich dann zu Jesus Christus hinzuwenden: 

Wo ist Tod, dein Triumph? Wo ist, Hades*, dein Sieg? Christus ist auferstanden, du bist besiegt. Christus ist auferstanden, die Dämonen sind gestürzt. Christus ist auferstanden, die Engel jubeln. Christus ist auferstanden, das Leben lebt. Christus ist auferstanden, kein Toter bleibt unten. Denn Christus ist von den Toten auferweckt worden, der Erste der Entschlafenen. Ihm gehört die Herrlichkeit und die Macht für ewige Zeiten. Amen.“

Also: Einen frohen, gesegneten Sonntag! Und denkt daran: Die Kommunionfeier ist aufgeschoben, nicht aufgehoben!                                            Pfr. B. Brackhane

 

(*Der Hades ist in der griechischen Mythologie die finstere, freudlose Unterwelt.)