Sonntags-Gedanken und aktuelle Impulse in Zeiten ohne Sonntagsmessen

Sonntagsimpuls zum Dreieinigkeitsfest - 7. Juni 2020

„Die deutsche Bildung ist kein Inhalt, sondern ein Schmückedeinheim mit dem sich das Volk der Richter und Henker seine Leere ornamentiert.“  Diese scharfe Einlassung stammt vom (mir bislang unbekannten) Schriftsteller Oscar Blumenthal (1852-1917), formuliert 10 Jahre vor dem ersten Weltkrieg. Ich fand ihn im Internet auf der Suche nach dem Begriff „Volk der Richter und Henker“, einer zynischen Parodie von „Deutschland, das Volk der Dichter und Denker“. Dieser Ursprungsbegriff hat seine Wurzeln im 19. Jahrhundert mit Blick viele bedeutende Künstler und Wissenschaftler.

Vom „Volk der Richter und Henker“ sprach ein Freund im Zusammenhang mit der Nazizeit, die er als Jugendlicher erlebt hatte. Erstaunlich aber, dass schon Jahrzehnte früher unangenehm aufstieß: 1. In Deutschland wissen viele, welche anderen etwas richtig und welche etwas falsch machen (Richter). 2. Die Deutschen merzen aus, was falsch erscheint und - wer etwas falsch macht (Henker). Und aus einer Richtung hört man im Hintergrund ein preußisch-militärisches „Zackzack!“ und Hackenzusammenschlagen widerhallen.

Warum diese seltsame, freudlose Einleitung in den Sonntagsimpuls, liebe Schwestern und Brüder? Deswegen, weil ich in den letzten Wochen in verschiedener Hinsicht erlebt und erfahren habe, dass das „Richter-Henker-Zackzack“  nicht nur vor 120 und vor 80 Jahren preußische und deutsche Uniformen trug, sondern sich inzwischen weltweit breitgemacht hat. Ob in normaler Kleidung, guter Frisur und schicker Brille oder auch mit Igelschnitt, schwarzem T-Shirt und lautstarkem Auftritt. Die Haltungen „Ich brauche dir nicht zuzuhören, denn ich weiß schon, dass du falsch denkst.“ - „Du hast hier keinen Platz; du wirst hier nicht gebraucht; dein Leben, deine Erfahrung, dein Glaube, interessieren mich nicht.“ - „Wenn du nicht dasselbe denkst und sagst wie ich, dann sorge ich dafür, dass du Konsequenzen zu spüren bekommst.“ - „Und das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“ Sätze wie aus einem Spezial-Konversationslexikon für Richter und Henker. Es gäbe darin auch eine gar nicht so knappe  Kirchenabteilung.

Liebe Schwestern und Brüder, auf diesem Hintergrund erscheint mir das umso wichtiger und strahlender, was das Dreifaltigkeitsfest uns eine Woche nach Pfingsten zusagt. Es geht um das Drei-in-eins-Sein Gottes. Wir hören im Evangelium:

„Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ *(Joh 3,16f)

Nicht richten; retten! Das ist Jesu Auftrag, den er vom himmlischen Vater bekommen hat. Die anderen Evangelisten bestätigen, wie kritisch das Richten zu betrachten ist, und wie wenig selbst Jesus das für sich in Anspruch nehmen will. „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“ (Mt 7,1) - „Mensch, wer hat mich zum Richter und Schlichter (Erbteiler) unter euch bestellt?“ (Lk 12,14)

Gerichtet wird erst ganz am Ende; aber der Richter Christus tritt als Retter auf; er stellt das Gerettet-sein fest: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, empfangt das Reich als Erbe, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben …“ (Mt 25,31 – 40) Dann folgt die ebenso einfache wie eindrucksvolle Auflistung der Werke der Barmherzigkeit. - Erst in einem zweiten Schritt wird aufgezählt, was verpasst ist (Mt 25,41-46).

Die Drei-Einheit Gottes bedeutet:
Gott, der „Vater“:
Von ihm geht alles aus; er ist der Ursprung der Liebe, er „äußert sich" in die Welt = spricht sich nach außen; spricht am Anfang der Welt sein schöpferisches Wort (Gott sprach und so geschah es.)

Gott, der „Sohn“:
Er ist das in die Welt gesprochene, das durch Maria in die Welt Jesus Christus hineingeborene Wort Gottes; er empfängt sich vom Vater her;
Er ist das geliebte, empfangende Gegenüber des Vaters: „Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ (Joh 1,18) Er tut den Willen des Vaters: die Rettung der Menschen (s. *)

Gott, der Hl. Geist, die Hl. Geistkraft:
Die lebendige Liebe zwischen „Vater“ und „Sohn“; „Der Beistand, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26)

Besonders das Johannesevangelium offenbart/“eröffnet“ uns das Geheimnis Gottes, der selbst Beziehung und Gemeinschaft ist und uns durch seine Geistkraft mit dahineinnimmt. Da gibt es nichts zu richten; da ist nur Rettung: Hineingenommen werden in die Liebe Gottes „Denkt nicht, dass ich euch beim Vater anklagen werde…“ (Joh 5,45)

Sehen wir klar: Die Welt, die Gott (und seine Liebe) nicht kennt, verleitet zum Richten und Verurteilen („henken“). Die Menschen, die die Liebe Gottes annehmen (können), erfahren Gottes Rettung - nicht ohne Leid, nicht ohne Schmerz und Tod, sondern da hindurch - wie Jesus.

„... Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ *(Joh 3,17) Das heißt: Gott hat auch uns nicht auf die Welt kommen lassen, damit wir sie und unsere Mitmenschen (zugrunde) richten, sondern damit alle und alles durch Gottes Liebe gerettet werden.

Einen gesegneten Drei-Einigkeits-Sonntag!              
Ihr
Pfr. Bernhard Brackhane

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Etwas anders als im neuen Pfarrnachrichtenheft veröffentlicht, werden wir mit dem letzten Wochenende im Juni, 27./28.06. - direkt nach dem letzten Schultag - sonntags wieder Eucharistie feiern. Es tritt die Gottesdienstordnung inkraft, die vor der „Corona-Zwangspause“ galt. Alle Schutzmaßnahmen und -vorschriften gelten weiter: Mund-Nasen-Schutz, Abstand von mind. 1,5 Metern, kein Gesang. Genaueres wird rechtzeitig im Aushang bekanntgegeben.