Monatsimpuls

April 2021

Liebe Schwestern und Brder im Pastoralverbund Bielefeld-Ost,

diese Pfarrnachrichten halten Sie zur Karwoche in Ihren Hnden. Dass diesmal der von pfiffigen „fake news“ gekennzeichnete 1. April ausgerechnet auf Grndonnerstag fllt, ist fr „Scherzkekse“ misslich …

Aber da wir seit gut einem Jahr an viele Seltsamkeiten gewhnt sind, knnen wir auch das gelassen hinnehmen. Wichtiger als ein witziger 1. April ist das groe Fest am 4. April, das 50 Tage nachwirken wird: Ostern. –

Angehrige eines Verstorbenen baten mich am Anfang der Fastenzeit, als Bibeltext bei der Beerdigung den Auferstehungsbericht des Markusevangeliums zu lesen. Es ist der verstrendste, der uns berliefert ist: Nachdem die drei Frauen mit den Salb-len am Ostermorgen die Grabkammer Jesu wider Erwarten geffnet finden, betreten sie sie und sehen „einen jungen Mann, der mit einem weien Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr. Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier.“ (Mk 16,5.6). Der nicht weiter beschriebene weigekleidete Bote trgt ihnen auf, den Jngern diese Nachricht zu bringen; aber die Frauen „verlieen das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemandem etwas davon; denn sie frchteten sich.“ (Mk 16,8). Leider ist dieser letzte Vers 8 in den liturgischen Bchern nicht mit abgedruckt! Ob er der Text-Auswahlkommission zu skeptisch, zu wenig christlichsterlich war? Mich reizen Texte und Worte, die man nicht so einfach hinnehmen kann, die ein Kratzen hinterlassen, die sich einem einfachen, glatten Verstehen entziehen. Schauen wir genauer hin. Was ist die eigentliche Osterbotschaft im Markusevangelium: 1. Erschreckt nicht. 2. Er, Jesus von Nazareth, ist auferstanden. 3. Er ist nicht hier (im Grab). 4. Geht, und sagt es den Jngern und dem Petrus. Das ist doch wunderbar: schnrkellos, klipp und klar; das gibt sich nicht kundig oder spekulativ, wie das alles logisch und sachlich zu verstehen sein knnte. Denn das wei ja schlielich auch der Evangelist nicht. Markus verzichtet auf alle Ausschmckungen: Gab es da Gerusche bei der Auferstehung? Heftige Luftbewegungen? Htte man etwas fotografieren knnen? - Wie auch bei den Zeichenhandlungen, den Wundern Jesu whrend seiner ffentlichen Verkndigung, geht es nicht um das „WIE“, sondern um das „WAS“: Nicht, WIE ist etwas geschehen, sondern WAS ist geschehen? (Falls uns solche Einzelheiten noch interessieren, wenn wir selber auferweckt werden und „im Himmel“ sind, dann werden wir alles erfahren. Aber bis dahin reicht mir die einfache Botschaft des Markus.) – Und die erschreckte Reaktion der Frauen? Nur allzu verstndlich! Wenn man mit der Absicht, Beerdigungsriten zu vollziehen - die Balsamierung einer Leiche - und dann ist das Grab geffnet und man hrt: Er ist nicht hier - Das ist doch zum Erschrecken! Auch mehr als zwanzig Jahre nach diesen Ereignissen, als es schon einige Zeit Christengemeinden gibt, fr die Markus alles schriftlich berliefert, ist die zentrale Glaubensbotschaft immer noch von Staunen, von Unruhig-, ja auch Erschrecktsein mitgeprgt. – Das Alte Testament erzhlt uns, wie Mose in der Wste Gottes Gegenwart und Stimme aus dem brennenden Dornbusch heraus erfahren hatte: Ich bin der „Ich-bin-da“ (Ex 3,2-14). Eine solche Gotteserfahrung, ein unglubig staunendes Doch-glauben, macht die Jngerschar mit dem Auferstandenen an Ostern und in den 50 Tagen bis zur Strkung durch den Heiligen Geist (= Pfingsten). Liebe Schwestern und Brder, das ist mein Osterwunsch: Dass wir mehr und mehr leben, was wir aus der heiligen Schrift heraushren: „Ich bin da“: der Name Gottes - „Ich gebe mein Leben fr dich“ zeigt uns Jesus. So knnen wir „Ostern leben“: Vor Gott aussprechen und unseren Nchsten zeigen: „Ich bin da“ und „Ich gebe mein Leben fr dich“! –

Frohe und gesegnete Ostern! Wnscht im Namen des ganzen Seelsorgeteams

Pfr. Bernhard Brackhane